...als ich das Papier mit dem Wort: ‚Arbeitsvertrag’ in den Händen hatte. […] Als ich das dann realisiert hatte, bedeutet das für mich, dass ich endlich das Gefühl hatte ein wertvoller Mensch in der Arbeitswelt zu sein.
Die Interviewpartnerin hat seit der Geburt eine beinbetonte Tetraplegie und ein Restseh-vermögen von re. 25% und li. 35%. Sie nahm an einer Maßnahme der Grone-Netzwerk Berlin gGmbH für das Projekt: - Entgeltvariante – für schwerbehinderte Teilnehmer mit Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Berufsfeldern in Zusammenarbeit mit dem JobCenter Charlotten-burg/Wilmersdorf teil.
Können sie Verbesserungsvorschläge für die Maßnahme machen? |
quasi geführt werden müssen. Weil das war manchmal nicht so gut. Weil er hat sich eigentlich immer für jeden Einzelnen stark gemacht, aber man hat dann doch schon das Gefühl gehabt, dass es ganz gut wäre, wenn die Gruppe ein bisschen kleiner wäre. Man könnte intensiver und viel verschiedener an Sachen herangehen, als wenn man eine Großgruppe hat, mit der man einen Leitfaden durchgehen muss, weil man keine Zeit für intensivere Gespräche hat. Obwohl er sich immer für jeden Zeit genommen hat, also das war nicht das Problem, nur die Gruppe war für mich persönlich auch zu groß. Wenn man mich gefragt hätte, zwölf hätten auch gereicht. Können Sie ungefähr umreißen, welche Hilfen bzw. Unterstützungen Sie während der Maßnahme bekommen haben? Ich habe den Europäischen Computerführerschein machen können. Den hätte ich sonst sicher nicht machen können, weil der bei Grone stattgefunden hat und ich da mit meinem Rollstuhl hin konnte. Dann gab es die Gestaltung unserer Bewerbungsmappe, des Öfteren wurde die durchgeschaut und nach Möglichkeiten gesucht, sie noch ansprechender zu gestalten. Und dann gab es die Verbindung zu den potentiellen Praktikumsstellen. Oder überhaupt die Ideen kamen ja meisten erst durch Gespräche mit dem Gruppenleiter Herrn Großgerge zustande, weil man wahrscheinlich gar nicht das Gefühl dafür hatte, dass man das vielleicht auch noch leisten könnte. Dann gab es Begleitung zu den jeweiligen Praktikumsstellen und dann wurde das ganze wieder reflektiert, was auch dafür gut war. Wo war ich bei dem Gespräch schlecht oder was könnte ich besser darstellen. Das war gut. Und während der Praktikumszeit, weil ich ja insgesamt zwei gemacht habe […], hatten wir dann noch die Praktikumsbegleitung. Herr Großgerge kam dann auch mal zu dem Praktikumsplatz und hat sich das dort angekuckt, wie das so läuft. Und hat sich dann auch mit dem Chef und uns hingesetzt und auch bei dem Abschlussgespräch war er dabei. Wie lange wurden Sie in der Übergangsphase Arbeitslosigkeit/Anstellung/Berufsausübung betreut? Ja der Herr Großgerge hat uns begleitet zum Vorstellungsgespräch für die Arbeitserprobung und dann zu den Gesprächen zur Einstellung für den festen Arbeitsplatz und dann mit Ende de Maßnahme war dann keine Verbindung zu Grone da. Eigentlich nur noch die Verbindung zu Herrn Großgerge, der dann für Fragen immer noch erreichbar war. Also einen genauen Schnitt kann ich nicht festlegen. […] Und welche Angebote bekommen sie berufsbegleitend? Eigentlich genau das gleiche, was ich zu Maßnahmenzeiten auch bekommen habe. Nämlich Begleitung und Hilfestellung zu welchen Kontakten wir gehen müssen, um gewisse Hilfen zu bekommen. Wie das Integrationsamt, welche An-träge wir ausfüllen müssen auch seitens der Arbeitgeber, nicht nur um uns, sonder auch die Arbeitgeber. So dass wir nicht so ins kalte Wasser gestoßen werden, sondern noch so eine Begleitung haben. Sind sie selber auf die Idee gekommen, welche Hilfsmittel Ihre Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt verbessern? Nein. Ich habe eine gewisse Vorstellung gehabt, aber gerade in meinem Fall ist es so, dass ich in einem Einraumbüro mit meiner Chefin sitze […]. Und der Aktenschrank ist so hoch, das ich dort nicht alleine herankomme. Sodass Herr Großgerge mir einen speziellen Rollstuhl empfohlen hat, den zu testen […] bei dem man die Möglichkeit (hat) mittels Hydraulik und manueller Kraft, den Rollstuhl hoch zu drücken und ihn somit als Stehgerät zu nutzen. Das haben wir dann auch kurz nach meiner Einstellung im Büro getestet und bei diesem Beratungstermin war er dann auch vor Ort, hat seine Vorschläge gemacht, weil er mich ja auch schon länger kennt als der Techniker von Sanitätshaus oder meine Chefin. Welche Hilfsmittel nutzen Sie denn jetzt schon? Also momentan nutze ich nur die Testversion eines Bildschirmvergrößerungsprogramms, das ich evtl. bekommen soll, das steht noch nicht so ganz fest. Aber bisher arbeite ich mit keinem besonderen Hilfsmittel. Weil die Zeit von der Arbeitsaufnahme bis zur Genehmigung der Hilfsmittel ist so lang, dass ich noch gar nicht richtig arbeiten kann, so dass es mir angenehm ist. Ich arbeite quasi nur provisorisch. Weil weder der Computer ist so auf mich angepasst, noch der richtige Arbeitsplatz, noch die Türen im und zum Haus. Es gibt zwar eine Rampe, aber die schweren Metalltüren, die schon für die Mitarbeiterinnen schwer zu öffnen sind, kann ich alleine nicht öffnen. […] Die Türen werden mit Elektromotoren ausgestattet und dann soll ich einen höhenverstellbaren Tisch bekommen, dann eine speziell verkleinerte Tastatur zur Kompensation der Spastik in der linken Hand […]. Für meine Augen werde ich eine bestimmte Lampe bekommen und Lupensysteme. Das ist aber noch nicht raus. Feststeht wohl, dass ich den Stehrollstuhl mit einer zusätzlichen Motorhilfe bekomme […], damit ich die doppelte Kraft habe und auch mal Botengänge machen kann, was bisher noch nicht der Fall ist. Denn bisher verlasse ich das Gebäude nur, um von meinem Fahrdienst wieder nach hause gefahren zu werden. Was bedeutet für Sie ihre jetzige Arbeitstelle? Zunächst einmal habe ich eine Weile gebraucht, um überhaupt zu realisieren, dass ich eine Arbeitstelle habe. Weil nach fünf Jahren, glaubt man nicht so wirklich daran. Das habe ich erst so wirklich geglaubt, als ich das Papier mit dem Wort: ‚Arbeitsvertrag’ in den Händen hatte. […] Als ich das dann realisiert hatte, bedeutet das für mich, dass ich endlich das Gefühl hatte ein wertvoller Mensch in der Arbeitswelt zu sein. Weil das Gefühl hat man vorher nicht. Man fühlt sich als vollwertiger Mensch im Arbeitsleben. Das man wirklich etwas leistet. Weil man ja sonst immer so von der Öffentlichkeit und irgendwann auch von einem selber so in die Schiene gedrückt wird: Behinderte können nicht arbeiten, ziehen dem Staat das Geld aus der Tasche und was nicht alles für Vorurteile kommen. Und was Du sitzt im Rollstuhl, Du bist gleich Hartz IV-Empfänger. Aber Rollstuhlfahrer sind nicht immer gleich bescheuert. Das ist schon etwas Besonderes. Man ist dann irgendwann stolz auf sich selber. Nach so vielen Jahren, was man da alles geleistet hat. Weil irgendwann hat man den Punkt erreicht, wo man sich fragt, wozu man eigentlich die Ausbildung gemacht hat. […] Was für mich auch positiv ist, und das bitte wirklich nicht falsch verstehen, dass es nichts mit anderen Behinderten zu tun hat. Ich bin eine arbeitende Person, die zufälliger Weise im Rollstuhl sitzt. Habe aber nicht soviel mit anderen Behinderten zu tun, nicht mehr in der Endlosschleife von Behinderung. Das war bei Grone-Netzwerk auch der Fall. Das ich rollstuhlfahrende Kollegen hatte, aber das war keine behinderungsbedingte Einrichtung. Denken Sie, dass Sie eine sichere Arbeitsstelle haben? Ja, davon gehe ich aus. Meine Chefin ist recht positiv in ihren Äußerungen und die Eingliederungshilfe läuft erst einmal für drei Jahre. Somit ist mein Arbeitsplatz erst einmal staatlich gesichert, aber ich leiste natürlich auch meinen Teil, als Person meinen Arbeitsplatz zu erhalten. Hat Ihr jetziges Gehalt einen Effekt auf ihr finanzielles Budget? Ja, ich bin zwar immer noch Hartz IV-Empfänger, aber mein Gehalt wirkt ergänzend. Ich bin sozusagen ein ‚Aufstocker’. Ich habe schon etwas mehr. Ich bin positiv überrascht. […] Ich muss beispielsweise nicht mehr vier Monate lang auf etwas sparen, sondern kann mir schon nach zweien etwas leisten. Möchten Sie noch etwas ergänzen? Nein eigentlich nicht. Dann danke ich Ihnen für das Gespräch. Vielleicht hören wir wieder von Ihnen, wenn Ihr Arbeitsplatz voll ausgestattet ist.
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