Erfolgsbeispiele
Katharina - taktilum als Arbeitgeber
Nach etwas mehr als zwei Jahren, die ich bei taktilum arbeite, gibt es verschiedene Eckpunkte, die ich schätze und nicht missen möchte.
Der wichtigste davon ist der wertschätzende Umgang, der bei taktilum gelebt wird und das auf allen Ebenen: unseren Klienten gegenüber, untereinander im Team und auch Dritten, wie Mitarbeiter von Behörden oder Kostenträgern gegenüber. Mir als Arbeitnehmerin wird Wertschätzung und Anerkennung z.B. dadurch entgegengebracht, dass ich meine Stärken auf allen Ebenen leben und anwenden darf, daneben aber auch meine Schwächen und auch mal „schlechten Tage“ ihren Platz haben. Ich darf alle Fragen stellen, alle Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge machen und weil wir ein so kleines Team sind, sind die Wege bei allen Fragen und Anliegen kurz. Trotz der wenigen Mitarbeiter haben wir Expertise für pädagogische Fragen ebenso wie für administrative und technische. Gemeinsam finden wir immer schnell eine Lösung, Abhilfe oder Erklärung. Ein weiterer Größenvorteil von taktilum ist für mich, dass wir als Unternehmen klein genug sind, so dass jeder in alle Bereiche Einblick erhalten kann, ohne für alles verantwortlich zu sein.
Die (pädagogische) Arbeit mit unseren Klienten ist durch diese sehr abwechslungsreich. Wertschätzung ihnen gegenüber heißt bei taktilum u.a., dass wir ein Konzept, also einen Plan haben, nach dem wir handeln und damit auch von dem, was wir tun. Trotzdem ist in jedem Moment der Zusammenarbeit der Mensch wichtiger als der Plan. Wir haben die Zeit und nehmen sie uns, die Anliegen jedes Klienten aufzunehmen und gemeinsam an individuellen Lösungsmöglichkeiten und Handlungsstrategien zu arbeiten. Dabei steht die Begleitung des Einzelnen immer vor der Dokumentation – das ist an der zeitlichen Gewichtung der Arbeit deutlich zu merken.
Natürlich geht es auch bei taktilum nicht ohne Bürokratie ab; wir investieren so viel Zeit und Sorgfalt in die Administration und Dokumentation, wie es nötig ist, um mit Klienten und Dritten „sauber“ zu arbeiten. Dabei bleiben wir aber so unkompliziert wie möglich und sehen es als Teil unseres Besserwerdens an, die notwendigen Arbeitsschritte inhaltlich und zeitlich zu optimieren, um für den Teil unserer Arbeit mehr Raum zu haben, der uns – und mir – am meisten am Herzen liegt.
Katharina
Frau Lehmann *
Das war das Ziel: „Eine Tätigkeit zu finden, die ich selbständig ausführen kann und mich endlich als berufstätige Frau fühlen zu können.“
Mit Frau Lehmann (Beeinträchtigung: Tetraplegie, alle vier Extremitäten sind stark spastisch betroffen und die Sprache ist stark verwaschen) hatte Herr Großgerge schon ein Jahr lang während eines Projektes zusammengearbeitet. Er hat verschiedene Unternehmen in der freien Wirtschaft angesprochen und war mit Frau Lehmann bei Behörden. Gemeinsam nahmen sie Vorstellungsgespräche und Einstellungstests wahr. Nicht einmal eine Arbeitserprobung wollte man Frau Lehmann zugestehen.
Dieser wird angemessen mit 70 % vom Jobcenter gefördert, sodass die Minderleistungen, die durch die Beeinträchtigungen entstehen, finanziell kompensiert werden können und somit auch der Betrieb einen Vorteil hat. Frau Lehmann arbeitet in einem Gemeinschaftsbüro mit zwei weiteren Kolleginnen zusammen und bearbeitet Kund*innendaten eines großen Umweltschutzbundes.
Das erste Zeugnis hat Frau Lehmann schon erhalten. Sie sei intelligent, besäße eine schnelle Auffassungsgabe und mache so wenige Fehler, wie kaum ein anderer, der gerade mit der Arbeit begonnen hat. Nun gut, sie sei nicht so schnell wie andere ohne Beeinträchtigung, aber das macht nichts. Finanziell wird es gefördert und kollegial könne man die neue Zusammenarbeit nicht mit Gold aufwiegen. In knapp zwei Jahren wird entschieden, ob Frau Lehmann einen unbefristeten Vertrag bekommt…
Siglinde S.* Wenn man selbst am Zweifeln ist...
Ich hatte anfangs alles: einen gut bezahlten Job, eine Familie und war eigentlich gut ausgelastet.
Doch dann ging es bergab. Meine Ehe ging auseinander, die Firma, für die ich tätig war, musste Insolvenz anmelden und meine Augenkrankheit verschlimmerte sich. Ich habe eine „juvenile Makuladegeneration“, d.h. während das periphere Sehen erhalten bleibt, wird es zunehmend schwieriger, einzelne Personen und Gegenstände visuell wahrzunehmen. Auch das Lesen erweist sich als problematisch. Dreidimensional konnte ich noch nie sehen.
Ich hatte Glück, denn ich bekam relativ schnell ein Praktikum, durch das der Arbeitgeber von mir hätte überzeugt werden sollen. Leider konnte ich nicht übernommen werden, weil bestimmte Förderungen nicht genehmigt wurden. Weitere Vorstellungsgespräche erfolgten, die ähnlich glücklos verliefen. Herr Großgerge schlug mir daraufhin die Teilnahme an einem Workshop vor. Es stellte sich heraus, dass ich bei Vorstellungsgesprächen mein Gegenüber bzgl. meiner sog. Behinderung im Unklaren ließ und somit eine Unsicherheit hinterließ, die meine potentiellen Arbeitgeber möglicherweise abschreckte. In der Nachbereitung des Workshops arbeiteten wir in Einzelgesprächen an der Beseitigung dieses Mankos. Sehr gut gefallen hatte mir in dem Kontext auch, dass ich im Workshop andere Teilnehmer kennenlernen konnte. Dieses Gefühl, nicht allein zu sein, gab zusätzlich Kraft. Es ist unglaublich schön, auf Gleichgesinnte zu treffen, die alle ihr „Päckchen“ zu tragen hatten und trotz ihrer Behinderung, genau wie ich, den Wunsch verspürten, am Arbeitsleben teilnehmen zu wollen. Wir saßen alle im gleichen Boot und konnten uns gegenseitig stützen und unterstützen.
Zu erwähnen sei indes noch, dass es oftmals nicht genügt, den Willen und Wunsch zu formulieren, einer Tätigkeit nachzugehen, wenn man auf Behörden stößt, die stur nach den Buchstaben des Gesetzes handeln. Die DRV, in die ich jahrelang eingezahlt hatte, sollte mir Hilfsmittel bezahlen. Ich benötigte bspw. einen größeren PC-Monitor, eine bessere Tastatur, eine Leselupe, etc., Gegenstände, die zur Erfüllung des Jobs vonnöten waren. taktilum kooperiert mit der Sehbehindertenberatung. So wurde eine Arbeitsplatzausstattung zusammengestellt, ein Kostenvoranschlag wurde zeitnah eingereicht, aber „mein Fall“ wurde einfach nicht bearbeitet. Statt die Problematik zu erkennen, wurde ich immer wieder vertröstet. Die Zeit lief mir davon. Auch da musste Herr Großgerge wiederholt intervenieren und zugegeben, ohne eine Bekannte, die auch in der DRV arbeitete, hätte ich meinen Arbeitsplatz wieder verlieren können.
Es ist gut, jemanden zu haben, der an einen glaubt und entsprechend hilft, gerade dann, wenn man selbst am Zweifeln ist.
*Name geändert
Alla Faerovich: ...Ich konnte es nicht glauben, dass es doch noch geklappt hat
Ich bin 31 Jahre, habe eine Körper- und Sprachbehinderung (Spastikerin). Seit dem Jahr 2005 habe ich meine Ausbildung als Bürokraft beendet und seitdem konnte ich zwei Jahren keinen Arbeitsplatz finden.
Nachdem die 11 Monate verstrichen waren, hatte ich jedoch wieder nichts erreicht und Enttäuschung und Resignation machten sich breit. Kurz nach Beendigung der Maßnahme schrieb mir ganz plötzlich mein Projektleiter Herr Großgerge eine E-Mail, dass ich doch ein Vorstellungsgespräch beim BUND für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V. habe. Ich konnte es nicht glauben, dass es doch noch geklappt hat und dass es Menschen gibt wie Herrn Großgerge.
Ich möchte mich an alle schwerbehinderten Menschen wenden, dass sie nicht bei der Arbeitssuche aufgeben und die Hoffnung nicht verlieren sollen. Wenn man ein Ziel hat, soll man dieses Ziel immer versuchen zu erreichen.